u wie umziehen

Bereits jetzt sind wir alle fleißig dabei, zu sichten, was wir in den Bunker mitnehmen wollen und auf was wir gut verzichten können. Dabei fällt auf, dass vieles doppelt ist, jahrelang nicht benutzt wurde oder einfach nur aus Anstand (Geschenk von der Patentante) aufgehoben wurde.

Einige Möbel und Dinge, die in der eigenen Wohnung keinen Platz finden, können der Allgemeinheit Freude machen: im gemeinsamen Wohnzimmer mit Küche, auf der Dachterrasse, im Garten oder beim Einrichten und Ausstatten der diversen Räume für Hobby oder Versorgung.

Anderes spenden, verschenken oder verkaufen wir.

m wie minimieren

Weniger ist nicht immer mehr – beim Thema Aufmerksamkeit z.B. lässt sich streiten. Aber im Winter mal zuhause einen Pulli drüber zu ziehen und dafür die Heizung etwas runter zu drehen, oder beim Zähne putzen den Wasserhahn zu schließen bringt in der Summe schon was – bei der Fußabdruck-Rechnung.
Mit dem Wohnfläche reduzieren klappt es im Bunker wegen der vorgegebenen Struktur nicht so perfekt, aber beim Heizenergie sparen hilft uns rückgewonnene Abwärme z.B. aus unserem Duschwasser, das dann auch noch so aufbereitet wird, dass wir damit zusammen mit Regenwasser die Toiletten spülen und den Salat in der Indoorfarm bewässern können.

Was unsere individuellen Ziele zum Minimalismus angeht, bieten ausleihbare Bücher, Spiele, Geschirr, Werkzeuge, Haushaltsgeräte, Musikinstrumente usw. für genügend Spielraum zu ehrgeizigen Vorstößen.

l wie leben

To live or not to live? Das ist die Frage angesichts von Klimawandel und Pandemie. Aber nicht nur Shakespeare inspiriert, auch Luther lädt zum zitieren. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Ohne diese Zuversicht würden wir we-house-ler unser Projekt nicht stemmen können. Wir WOLLEN einfach, dass es weitergeht: dass wir frei atmen können, dass es für unsere Kinder und Kindeskinder eine lebenswerte Zukunft gibt – nicht nur ein cooles Zuhause für uns.

Dazu brauchen wir alle die Unterstützung von allen. „Wir schaffen das!“ – zusammen, um nochmal in die große Zitate-Kiste zu greifen.

h wie haushalten

Gemeinsam kochen, gemeinsam große Mengen einkaufen, gemeinsam weniger Waschmaschinen besitzen und mit Grauwasser betreiben. So klappt’s mit dem Ressourcen sparen.

Das sind nur drei der Vorhaben für eine enkeltaugliche Zukunft, die sich die zukünftigen Bewohner des we-houses auf die Fahnen geschrieben haben. Das klappt aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen und auch eine echte Gemeinschaft entwickeln. Das versuchen wir derzeit tapfer, obwohl wir uns nur virtuell treffen können. Vielleicht sehen wir euch auch bald am Bildschirm als neue Interessierte?

e wie essen

Ein wichtiger Teil des we-house-Konzeptes ist ein in das Projekt integriertes Bistro/Restaurant, das sowohl einen günstigen Mittagstisch für die Bewohner anbietet, als auch offen für das Quartier ist. Hier begegnen sich Menschen und knüpfen beim gemeinsamen Speisen lebendige Kontakte.
Dabei kommen hauptsächlich vegetarische Gerichte auf die Menükarte. Und was in unserer Indoorfarm angebaut wird, landet hier sofort auf dem Teller.

d wie dabei sein

Ende 2021 wollen wir im umgebauten Hochbunker  leben.

Dann steht eines der ambitioniertesten Wohnbauprojekte Deutschlands in Bezug auf die Reduktion des persönlichen ökologischen Fußabdrucks.

Die Aufgabe, die es für eine lebenswerte Zukunft nachfolgender Generationen zu lösen gilt, lautet: den CO²-Ausstoß bis 2050 auf unter zwei Tonne/pro Mensch/Jahr zu begrenzen. Wir sind dabei!

c wie checken

Die Erderwärmung ist in vollem Gange. Waren es zwischen 1961 und 1990 in Deutschland durchschnittlich -0,5°C, sind für das 30jährige Mittel zwischen 1991 und 2020 0,9°C zu verbuchen. Ein Anstieg um 1,4 Grad. Rechnet man nur 2011 bis 2020 liegt das Mittel aber schon bei 1,4°C.

Gecheckt!

Durch konsequente Vermeidung fossiler Energieträger und optimale Nutzung von Abwärme reduzieren wir als Bewohner im we-house Herne unseren persönichen CO2-Ausstoß erheblich.

Nachhaltigkeit und Gemeinschaft

Interview mit Sabine und Jens

bunkerlebenherne: Hallo Ihr Zwei!
S+J: Hallo!

blh: Was zieht Euch in den Bunker nach Herne?
S+J: In der Mischung aus Nachhaltigkeit und Gemeinschaft ist das we-house genau das, was wir uns für unsere nächste Lebensphase gewünscht haben.

blh: Geht das auch ein bisschen genauer?
S+J: Obwohl wir schon lange und zunehmend darauf achten, unseren eigenen Fußabdruck zu verkleinern, haben wir das Gefühl: da kann und muss noch mehr gehen. Unsere Kernfamilie besteht aus vier erwachsenen Kinder, deren Partner*innen und einer wachsende Zahl von Enkel*innen. Wenn die und weitere Generationen noch eine lebenswerte Zukunft haben sollen, müssen wir jetzt handeln. Und zwar jede und jeder in seinem eigenen Leben und so gut er/sie kann.

blh: Das ginge aber auch in euren eigenen vier Wänden, oder? Warum die Gemeinschaft?
S+J: Wir sind es nach fast dreißig Jahren Kindererziehung gewöhnt, viel Trubel im Haus zu haben. Nach dem Auszug der jüngsten Tochter, ist es einfach zu ruhig bei uns geworden 😉
Scherz beiseite: Es ist unsere Überzeugung, dass Teilen zu einem guten Leben für alle führt. Wir müssen als Gesellschaft unser Konsumverhalten radikal ändern, um weniger Ressourcen zu verbrauchen. Gleichzeitig ist Verzicht für uns alle schwierig. Da liegt Teilen doch als Lösung nahe. Und das Leben macht mit anderen Menschen zusammen auch einfach viel mehr Spaß.

blh: Und was verbindet Euch mit Herne?
S+J: Bisher gar nichts, aber das wird sich ändern. Wir sind früher oft umgezogen aber wohnen jetzt seit 20 Jahren im Ruhrgebiet. Vermutlich ist es in den meisten anderen Gegenden Deutschlands schöner, aber es gibt in unseren Augen nirgendwo die gleiche Mischung aus beruflichen und kulturellen Angeboten, ohne die Nachteile einer Großstadt in Kauf nehmen zu müssen. Das Ruhrgebiet ist im Gegensatz zu seinem Ruf sehr grün und die Vielfalt und Aufgeschlossenheit der hier lebenden Menschen sucht ihresgleichen. Wir sind in den letzten Jahren echte Fans geworden.

blh: Vielen Dank für das Gespräch.
S+J: Gerne.